Die Geschichte der Greifensee-Schifffahrt und ihrer Flotte
Vor 100 Jahren
Die motorisierte Schifffahrt auf dem Greifensee ist ein gutes Jahrhundert alt. Im Jahre 1990 konnte das Jubiläum 100 Jahre Schifffahrt Greifensee gefeiert werden werden.
Auf Anregung des Gemeindevereins Maur wurde am 20. April 1890 die Dampfschifffahrts - Gesellschaft für den Greifensee gegründet. In den Verwaltungsrat wurden drei Vertreter von Maur und je zwei Vertreter von Uster und Greifensee gewählt, die beiden Lehrer von Maur, Letsch und Hess als Präsident und Sekretär.
Das Betriebskapital wurde in 1'230 Aktien zu CHF 20 gezeichnet. Es stand der Aktiengesellschaft somit CHF 24'600 Betriebskapital zur Verfügung.
Aus dem Schiffsbestand der Kaiserin Eugénie, der Wittwe Napoleons III wurde die Luxusjacht DELPHIN,
die 25 Personen fasste und CHF 7'500 kostete gekauft.
Am 4. Mai 1890 nahm die Dampfschifffahrt mit Böllerschüssen und Feuerwerk seinen Betrieb auf.
Ein trauriger Abschnitt
Nur zwei Jahre nach Beginn der Dampfschifffahrt, ging der Sonntag, 3. April 1892, als schwärzester Tag in die Schifffahrts-Geschichte ein. Die Schützen von Niederuster halten in Maur eine Schiessübung ab, in Maur treffen sich ebenfalls die Aktionäre der Dampfschifffahrts - Gesellschaft zu ihrer Generalversammlung. In das als Extrakurs bereitgestellte Dampfschiff DELPHIN drängen sich Schützen, Aktionäre, Frauen und Kinder. Die mitgeführten Schiessscheiben finden noch auf dem Dach des Schiffes Platz. Das Schiff ist damit völlig überladen und liegt fest. Steuermann und Passagiere begehen nun einen verhängnisvollen Fehler; sie wollen das Schiff vom Landungssteg abstossen. Dabei neigt sich das Schiff zur Seite, die nachrutschenden Passagiere bringen es durch die Gewichtsverlagerung zum Kentern, das Schiff sinkt innerhalb einer Minute. Jeder kämpft um sein Leben oder hilft so gut er kann. Dennoch fordert das Unglück vier Menschenleben.
Nach der Restaurierung des gehobenen Schiffes nimmt das von Delphin in MÖVE umgetaufte Dampfschiff den Betrieb am 18. Juni 1892 wieder auf.
Durch den Unfall ist das Vertrauen der Bevölkerung in das Schiff stark geschwunden. Die Frequenz sinkt von 26'000 Passagieren im Vorjahr auf 5'000 im Unglücksjahr.
"GREIF" und "MÖVE"
Ein neues Schiff muss her. Ein massgeschneidertes neues Schiff auf den Namen GREIF konnte am
12. Oktober 1895 seine Jungfernfahrt absolvieren. Es kostete damals CHF 15'500.
Es ist das Dampfschiff GREIF von heute.
1916 wird das Dampfschiff GREIF zum Motorschiff umgebaut, um einen rationelleren Betrieb ohne Kohle zu ermöglichen. Die Bedienung des Schiffes erfordert somit nur noch einen Mann und die Treibstoffkosten können gesenkt werden.
1920 wird das Dampschiff MÖVE ebenfalls zum Motorschiff umgebaut. Das einst verrufene Schiff bewährt sich sehr gut, fährt noch billiger als das Motorschiff GREIF und wird deshalb öfter eingesetzt.
Beide Schiffe fahren die Dampfschifffahrts - Gesellschaft in die schwarzen Zahlen.
Motorschiff "HEIMAT" und Motorschiff "FORCH"
1932 wird vom eidg. Schiffsinspektor die Betriebstüchtigkeit der MÖVE aberkannt. Das Verkehrsaufkommen verlangte nach einem grösseren und leistungsfähigerem Schiff. Die Firma K. Burkhardt in Uerikon erstellte das neue Schiff MS HEIMAT, das am 21. Mai 1933 mit einem Volksfest eingeweiht wurde. Es kostete CHF 41'800 und war das einzige Schiff mit dem Namen Motorschiff HEIMAT auf Schweizer Seen.
Am 12. Juli 1941 wurde die Aktiengesellschaft in eine Genossenschaft umgewandelt.
Nach Beendigung des zweiten Weltkrieges musste zur Deckung der gesteigerten Nachfrage nach Rundfahrten 1946 das Motorschiff FORCH, ein offenes Holzschalenboot für 30 Personen vom Luganersee für CHF 7'500 zugekauft werden. 1977 wird es an die EAWAG verkauft. Gemeinsam mit ETH-Studenten benützt man es seither für die Wasseruntersuchungen.
Im Jahre 1966 ist es wiederum der Bodensee, der mit einer Occasion lockt. Von der Deutschen Bundesbahn erwirbt die Genossenschaft zu einem günstigen Preis von DM 50'250 ein Carboot mit 60 gedeckten Plätzen, das Motorschiff HECHT. 1982 wird das Motorschiff HECHT an die Schifffahrtsgesellschaft St. Niklausen in Luzern für CHF 12'000 verkauft.
Motorschiff "SALOMON LANDOLT" UND Motorschiff "OBERLAND"
Am 8. April 1978, 45 Jahre nach dem letzten Schiffsneubau (Motorschiff HEIMAT 1933), nimmt das grösste, vielseitigste und komfortabelste Schiff, das MS SALOMON LANDOLT den Betrieb auf. Das Schiff kostete CHF 450'000. Mit der Namensgebung ehrte man den aus Gottfried Kellers Novelle "Der Landvogt von Greifensee" bekannte und beliebte Landvogt, der von 1781 - 1787 auf Schloss Greifensee residierte. Das Schiff wurde zum schwimmenden Seerestaurant.
Fünfzig Jahre nach Inbetriebnahme des Motorschiffes HEIMAT (1933) wurde eine grössere Überholung fällig. Diese wurde aber hinausgeschoben und stattdessen beschlossen die Genossenschafter die Anschaffung eines neuen Schiffes. Die Wahl fiel auf ein 60 Personenschiff, das im Einmannbetrieb geführt werden kann. Am 16. Juni 1984 wurde das neue Schiff von Frau Regierungsrätin Hedi Lang auf den Namen Motorschiff OBERLAND getauft und am 14. Juli 1984 erfolgte die Jungfernfahrt. Es kostete CHF 354'000. Das Motorschiff OBERLAND wurde im Juni 2006 durch das Motorschiff DAVID HERRLIBERGER ersetzt.
Es wurde an die Chiemsee-Schifffahrt Ludwig Fessler KG verkauft.
Zwei Oldtimer, das Flaggschiff "STADT USTER" und das Motorschiff DAVID HERRLIBERGER
1986 wird das Motorschiff HEIMAT totalsaniert. Während dieser Zeit werden die Kursfahrten zwischen Maur und Uster mit dem Motorschiff Greif durchgeführt. Nach der Sanierung des Motorschiffes Heimat geht das Motorschiff Greif in den Besitz der Stiftung Dampfschiff Greif über, welche dieses wieder in den ursprünglichen Zustand umbauen lässt.
Am 3. September 1988 nimmt das restaurierte, mit der Original-Dampfmaschine und einem neuen Kessel versehene Schiff als Dampfschiff GREIF seinen Betrieb im Rahmen der Stiftung auf.
Somit verkehren auf dem Greifensee zwei Schiff - Oldies, das Motorschiff HEIMAT (1933) und das Dampfschiff GREIF (1895).
1995 erfolgt die Anschaffung des Flaggschiffes STADT USTER, mit Platz für 200 Personen für CHF 1.6 Mio.
2006 wurde durch Frau Regierungsrätin Rita Fuhrer das Motorschiff DAVID HERRLIBERGER getauft.
Es wurde bei der Schifffahrts-Gesellschaft des Vierwaldstättersees gebaut.


